Eröffnungstag des 6. IHRF 2009 (05.05.09)
Die Fortschritte in der Menschenrechtsförderung sind erkennbar. Trotzdem bleibt noch viel zu tun. So der Konsens am ersten Tag des 6. Internationalen Menschenrechtsforum Luzern
"Gebt den Kindern eine Stimme", lautete der Appell von Nevena Vuckovic Sahovic, Mitglied des UNO-Kinderrechtsausschuss, am 6. IHRF. Die Kinderrechtsanwältin verwies in ihrem Beitrag auf die positive Entwicklung der Kinderrechte in den letzten Jahren. Die Rechte der Kinder und Jugendlichen seien heute in vielen Ländern anerkannt und finden Unterstützung durch Politiker und verschiedene Organisationen. Andererseits kämpfen Kinder nach wie vor in Kriegen, werden zur Prostitution gezwungen oder erleben täglich häusliche Gewalt. Nevana Vuckovic-Sahovic strich in ihrem Referat die Wichtigkeit einer umfassenden Bildung heraus sowie die Verantwortung jedes einzelnen Staates, um zur Milderung dieser Missstände beizutragen. "Wir haben eine gemeinsame Verantwortung, dass unsere Zukunft, die Kinder, besser geschützt und in einem würdigen Umfeld aufwachsen können."
Auch Julie de Rivero, die zweite Referentin des ersten Tages und Direktorin des Genfer Büros von Human Rights Watch, sieht die Menschenrechtsförderung nicht nur auf politischer Ebene. Im Gegenteil. "Auch demokratische Staaten haben in den vergangen Jahre die Menschenrechte immer wieder verletz.2 Damit geben sie, laut Julie de Rivero, kleineren Regimes die Möglichkeit ihre menschenrechtsverletzende Staatsführung zu rechtfertigen. Um gegen solche Verstösse anzukommen, brauche es internationalen Druck, aber auch die dauerhafte aktive und couragierte Arbeit von Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidigern.
Direkt betroffen von Menschenrechtsverletzungen ist der katholische Bischof Erwin Kräutler. Im brasilianischen Xingu, dem grössten Bistum der Welt, setzt er sich mit grossem persönlichen Einsatz für die Rechte der indigenen Bevölkerung ein und bezahlte diesen Einsatz nach einem Mordanschlag beinahe mit seinem Leben. "Trotzdem, ich setzte mich für das Leben und das Überleben dieser Völker ein. Denn jede Religion die diesen Namen verdient, setzt sich für das Leben ein."
Die Kontroverse zwischen Religionen und Menschenrechten stellte ein zentrales Gesprächsthema am ersten Forumstag dar. "Ich kenne keine Religion, die Menschenrechtsverletzend ist," Am Beispiel der Stellung der Frau in der Katholischen Kirche präzisiert er: "Im Evangelium sind Männer und Frau durchaus gleichgestellt. Alles andere sind Regeln, die morgen schon fallen können." Die Stellung der Frau in der Religion wurde auch von Saida Keller-Messahli, Präsidentin Forum für einen fortschrittlichen Islam aufgegriffen und ähnlich beurteilt. "Vor Gott sind Männer und Frauen durchaus gleich gestellt. Allerdings sind sie es sozial und politisch nicht." Das schwierige Verhältnis zwischen Religion und Menschenrechten wurde aber bisher auch anhand von Themen wie der Entwicklungshilfe, des Materialismus oder der Moral intensiv am 6. IHRF diskutiert.
Im weiteren Verlauf des 6. IHRF 2009 werden morgen neben Bundesrätin Micheline Calmy-Rey, und Peter Brabeck-Letmathe, Verwaltungsratspräsident von Nestlé, auch Vertreterinnen und Vertreter von zahlreichen Religionen teilnehmen, u. a. Dom Erwin Kräutler (Bischof der Diözese Xingu, Brasilien, dem grössten Bistum der Welt) und Tariq Ramadan (Universität Oxford, Präsident des Thinktanks "European Muslim Networks").





